beam me up
editorial
beiträge
führungen
personen
endefr
login

23.11.2010 18:54
#63
Scotty, Calling for Scotty!
Bevor ich die Werke #cloudrumble56 und Hauz-i-Shamsi kurz erläutere, möchte ich den Leser wissen lassen, dass der Verfasser keinen der Aufführungsorte beider Kunstwerke besucht hat. Meine Auseinandersetzung mit diesen Werken fand ausschliesslich auf virtueller Ebene statt. Kurztripps nach Delhi und Mehrauli wurden von mir nicht unternommen. Ich sass an meinem Laptop, genau wie ich das jetzt auch tue.
Zurück zur Startseite

Scotty, Calling for Scotty


Essay von Gitanjali Dang

 

Prolog:
"Umwandlung von Zeit in Raum", schrieb Edward Said.
"Öffnung von chronologischen Sequenzen in Landschaften, um Zeit besser sehen, erfahren, fassen und mit ihr arbeiten zu können...", erklärte er weiter.1

Erwiderung / Nachfrage:
Was wäre, wenn fiktionale, chronologische Sequenzen sich in virtuelle Landschaften öffnen würden und wir immer noch in der Lage wären, Zeit zu sehen, zu erfahren, zu fassen und mit ihr zu arbeiten...?

Hintergrundgeschichte:
Bald nach der Gründung der Artist Placement Group (APG) wurde ein Plan ausgeheckt. Man beschloss, dass James Montgomery "Jimmy" Doohan die Reihen der Science-Fiction-Serie Star Trek infiltrieren sollte. Die Gründung der APG und die Erstaustrahlung von Star Trek fanden nicht rein zufällig im selben Jahr statt; es war das Jahr 1966.

Barbara Steveni, John Latham, Barry Flanagan, Ian Breakwell, David Hall, Jeffrey Shaw, Andrew Dipper, David Toop, Stuart Brisley und Hugh Davies.
Jimmy gehörte der Gruppe an, aber sein Name wurde in diesem Zusammenhang nie erwähnt. Er war, was manche als einen "stillen Teilhaber" bezeichnen würden. Aber um die Wahrheit zu sagen, die Rolle, die er in Star Trek als ein heimliches Mitglied von APG spielte, war alles andere als still. In seiner Erscheinungsform als Montgomery "Scotty" Scott, also des Chefingenieurs des Raumschiffs Enterprise, sollte Scotty ein einheitliches System für bestimmte Begriffe und infolgedessen Ideen schaffen, namentlich - Transporter, Dematerialisierung, Rematerialisierung und Transporterunfall.

Ikonoklasmus stellte eines der tragenden Prinzipien von APG dar. Auf diese Weise nahm die Gruppe das Aufkommen von hohen kommerziellen Risiken vorweg, die Kunst seither nicht ohne Erfolg als ein Luxusprodukt erscheinen haben lassen. Das Bild wurde zugunsten eines frühen erzählerischen, ästhetischen Stils aufgegeben und der Raum verwandelte sich in einen Handlungsrahmen. Die Bemühungen der APG, den kreativen Prozess zu entmystifizieren2, konzentrierten sich vor allem darauf, den Künstler in eine "zufällige Person" (der APG-Gründer John Latham sprach von "Incidental Person") umzuwandeln, indem der Künstler als Laie in spezialisierte, professionelle Umgebungen eingeschleust wurde, wie zum Beispiel Fabriken und psychiatrische Einrichtungen. Diese Initiative förderte den Austausch und die Erweiterung der Perspektive auf beiden Seiten. Mit Ausnahme der Inno 70 Art and Economics in der Hayward Gallery in London im Jahr 1971, präsentierte die APG ihre Prozesse und Interaktionen vor allem in Form von öffentlichen Diskussionen und Seminaren. Die Inno 70 Art and Economics fand wenig Anklang und war ein Reinfall. Die Besucher hatten ihre Schwierigkeiten mit den Berichten, Interviews und ähnlichem, welche die Aufenthalte der jeweiligen "Incidental Persons" hervorgebracht hatten.

Die Entwicklungen innerhalb der APG standen immer im Zusammenhang mit den wichtigen zeitgenössischen Neuerungen. In der Mitte der 60er Jahre, mit der Erfindung der 3G Computer, erfuhr die Bewegung einen vielversprechenden, wenn auch überschaubaren Aufschwung. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis das infant internet3 geboren wurde; im Oktober 2009 feierte es seinen 40. Geburtstag. Aber dadurch liess sich die APG nicht aufhalten.

Ausserhalb von Star Trek bleibt die Transportertechnologie, im Vergleich zur Quantenteleportation mit Atomen, weiterhin ein hypothetisches Konzept. Aber Beamen ist eine Materie für sich - das Wortspiel ist beabsichtigt. APG betrachtete den Transporter schon damals als ein Gerät, mit dem man Teilchen bewegen konnte. Und somit als Kunst. Mit den Begriffen Transporter, Dematerialisierung, Rematerialisierung und Transporterunfall half Doohan, auch bekannt als Scotty, ein provisorisches Vokabular zu schaffen, das seither zum unterschwelligen Fundament der Republik von Netzwerken geworden ist. Obwohl das Internet dieses Vokabular aufgesaugt und verinnerlicht hat, selbst heute noch, haben diese Begriffe im Kontext visueller Kunst oftmals den intergalaktischen Glanz der Science-Fiction-Terminologie beibehalten. APG wollte diese Begriffe und Ideen mit der visuellen Kunst verknüpfen und auf diese Weise einen Zugang zu den kompromisslos ikonischen Zeiten schaffen, in denen wir heute leben.

Mit dem Beam Me Up_Project India wollen wir auf eine kritische Phase im Kontinuum der Zeitbasis oder des (T-) Frames der oben ausgeführten Konzepte aufmerksam machen. Latham stellte anstatt des sehr viel beliebteren Paradigmas Raum-Objekt das Paradigma Zeit-Ereignis auf, das bedeutsamerweise noch immer eine Rolle in der Kunstszene spielt. Ziel unseres Projekts ist es, die sogenannte Delta-Einheit zu erfassen - Latham bezeichnete sie als "Aufmerksamkeitseinheit", welche diese Ideen bis jetzt erzeugt haben, oder auch nicht. Nach der Theorie von APG folgt die Delta-Einheit einer Idee über ihren (T-) Frame hinaus und beobachtet unter anderem ihre Langlebigkeit, ihre Auswirkungen und ihr Veränderungspotenzial - sei es hinsichtlich Personen oder anderer Ideen, mit denen sie in Kontakt kommt.

Das Beam Me Up_Project India lud die zwei Künstler Abhishek Hazra und Vishal Rawlley   dazu ein, sich mit Scottys Lexikon zu beschäftigen und es einzuordnen. Über ihre internetbasierten Kunstwerke haben die Künstler versucht, Scotty zu rehabilitieren, indem sie sich mithilfe eines breiteren Ansatzes bemühen werden, die Befreiung der Kunst aus den eisernen Klauen von Materie und Raum weiterzuführen.

Scottys aktualisiertes Lexikon:
Transporter:
1. Schuss befördert Datagramme in das tiefe Ende des virtuellen Pools.
Synonyme schliessen Computer, Server, Internet, WWW, Programmierer, Hacker, Surfer, Voyeure, Cybrarians, usw. mit ein.

Dematerialisierung:
Dieser Begriff bezeichnet den ursprünglichen Zustand des virtuellen Raums. Transporter fördern den körperlosen Zustand. Sie ziehen aus allem, was über keine Stofflichkeit verfügt, einen grossen Gewinn. Autochthone Kunstwerke hinsichtlich der CPU; Kunst, die Studios und Strassen für ihre Entstehung braucht, wird die Erfahrung machen, dass das Internet immer schon begierig wartet, um sie aufzusaugen und wie Pixel-Pheromone wieder auszustossen, wodurch die erbarmungslosen cybrarianischen Wächter / Anhänger der Suchalgorhythmen angelockt werden.

Rematerialisierung:
Dieser Eintrag des Lexikons braucht mehr Zeit zum Durchsickern und verbleibt daher noch im Reich von Star Trek und/oder Science Fiction.

 Transporterunfall:
Täglich finden mehr solcher Unfälle statt, als es uns lieb ist. Das Spektrum reicht vom harmlosen Stromausfall bis zum hartnäckigen HTTP 404 Error. Vom plötzlichen Tod einer Website bis zum vom Karpaltunnelsyndrom geplagten Finger. Von der "Letzten Meile" bis hin zur kaputten Festplatte.
*Auch der erste Entwurf dieses Textes fiel einem Festplattencrash zum Opfer. Sein unerwartetes Ableben wurde mit grosser Verzweiflung und Zähneknirschen aufgenommen. Der Leser wird mit Interesse vernehmen, dass diese zweite Version mit dem ursprünglichen Text keinerlei Ähnlichkeiten aufweist. Der Text meines ersten Essays ging für immer verloren.*

Mitte:
Leser, die wahre Kinder der Popkultur sind, haben wahrscheinlich mehr als einmal die Worte "Beam me up, Scotty!" gesprochen/ausgerufen.
Über die Jahrzehnte hinweg hat Scotty, wenn man so will, auf verschiedene Weise weltweit 1.966.514.816 Menschen (letzte Zählung) "hochgebeamt" und freudig hereingelassen. Diese ehrenwerten Netzbürger hatten natürlich keine Ahnung, dass Scotty heimlich eine Rolle dabei spielte, ihnen diesen bis dahin beispiellosen Zugriff auf den öffentlichen Raum zu ermöglichen.

Netart versucht, neue öffentliche Räume und Foren zu fördern, aber der virtuelle Bereich ist eben nicht irgendein öffentlicher Raum. Da virtuelle Portale nicht für jeden zugänglich sind, gleicht dieser öffentliche Raum gelinde gesagt einem elitären Club. Unbezahlbare Technologie, provisorische Infrastruktur, Strom und vieles mehr tragen zu gleichen Teilen dazu bei, dass dieser Raum für viele Menschen nicht zugänglich ist. *Nicht jeder lebt in Finnland, wo alle das gesetzliche Anrecht auf einen 1MB-Breitband-Internetzugang haben.*
Es bleibt jedoch zu hoffen, dass mit der Zeit alle Menschen auf der Welt durch die Strassen des Internets flanieren und durch durchlässige Online-Territorien spazieren können.

Aber unser Computer hat natürlich mehr zu bieten als nur diesen Möchtegern-Egalitarismus. Der Computer und seine Erweiterungen wie das Internet und das WWW haben sich schnell zum Stützpunkt der erkenntnistheoretischen Debatte entwickelt. Über menschengesteuerte Computer-Interaktionen erzeugen sie Netart wie zum Beispiel Beam me up, und entschlüsseln hintergründige Rätsel bezüglich Cyberspace, künstliche Intelligenz, Endophysik und vieles mehr. In dieser unübersichtlichen Weite existiert Repräsentation und Kommunikation nur im Rahmen von schlängelnden Netzwerken. Sowohl Abhishek Hazra als auch Vishal Rawlley haben sich diesem aufgeladenen Raum über längere Zeit hinweg ausgesetzt und sich mit den Fältchen vertraut gemacht, die das grosse Bügeleisen zu glätten vermag, ebenso wie mit denen, bei denen das noch nicht funktioniert hat.

Abhishek und Vishal kombinieren Performatives und Konzeptuelles in #cloudrumble56 und Hauz-i-Shamsi, ihren Werke für Beam Me Up_Project India. Sie verwenden dafür scheinbar neumodische Hardware und Software, von "automated attendants" bis hin zu Mikroblogging. Aber lassen Sie sich nicht täuschen von der lächerlichen Vorläufigkeit des Neuen. Trotz der Verwendung bestimmter neuartiger Mechanismen kehren beide Künstler zum Umfeld der Schlüsselgedanken von Repräsentation und Kommunikation zurück.

 Bevor ich die Werke #cloudrumble56 und Hauz-i-Shamsi kurz erläutere, möchte ich den Leser wissen lassen, dass der Verfasser keinen der Aufführungsorte beider Kunstwerke besucht hat. Meine Auseinandersetzung mit diesen Werken fand ausschliesslich auf virtueller Ebene statt. Kurztripps nach Delhi und Mehrauli wurden von mir nicht unternommen. Ich sass an meinem Laptop, genau wie ich das jetzt auch tue. Die Entfernung hat meinen Enthusiasmus für das Projekt nie geschmälert, im Gegenteil, sie passte irgendwie in den Kontext.

Für seine kollaborative Onlineperformance lud Abhishek Beobachter / Reporter ein, um einer Vorführung beizuwohnen, für die er Fetzen von Reden zusammenflickte, die der berühmte Wissenschaftler MN Saha (1893-1956) als unabhängiger Kandidat vor dem indischen Parlament gehalten hatte. Abhisheks zweistündige Performance beinhaltete ausserdem Anekdoten und Nebenbemerkungen rund um die Biografie von Saha.

Wer selbst nicht bei der Vorführung anwesend war, konnte die Performance über Tweets mitverfolgen, die das Publikum der hinter verschlossenen Türen stattfindenden Veranstaltung ins Internet hinausschickte. Bezeichnenderweise bestand das twitternde Publikum, das mit dieser Aufgabe betraut wurde, nicht aus Fachleuten, so dass die resultierenden Tweets nichtlinear / geschichtet / komplett unsinnig / verrückt / altklug usw. waren...

Die Hintergrundgeschichte zu der Performance wurde schon vorher veröffentlicht. Das Publikum - also diejenigen, die bei Abhisheks Performance anwesend waren, und diejenigen, die sie auf Twitter verfolgten, waren nicht völlig ahnungslos. Trotzdem hatte man das Gefühl, an einem Flüster-Post-Spiel teilzunehmen, das wie massgeschneidert für alle Twitteranhänger wirkte.

#cloudrumble56 bezieht sich explizit auf die Multivalenz und Zerbrechlichkeit des sprachlichen Ökosystems. Aus diesem Grund hat sich Abhishek bis zum heutigen Tag entschieden, alle visuellen Dokumentationen seiner performativen Geste aus dem Internet fern zu halten. Er hofft, dem Text auf diese Weise die Zeit zu geben, die dieser zum Atmen braucht. Dann passierte allerdings etwas nicht ganz Unvorhersehbares; innerhalb weniger als einer Woche weigerte sich die Twitter-Suchfunktion, den Begriff #cloudrumble56 zu erkennen. Die Tweets, die infolge der Performance entstanden waren, wurden von der hupenden Welle der neu ankommenden Tweets verdrängt. Daraufhin folgte das unerwartete Ableben des Tweet-Aggregators www.hashtags.org, der mittlerweile wieder von den Toten auferstanden ist, aber die früheren Tweets wurden unwiderruflich beerdigt, oder vielleicht doch nicht?
Bis auf weiteres rückt der Fall dieses untergegangenen Archivs Fragen über die Vergänglichkeit und die launische Natur von (Online-) Archivierungsstrategien in den Vordergrund.

Vishal Hauz-i-Shamsi ist ein Doppelagent mit einem illustren Doppelleben. Dieses Onlineprojekt, benannt nach einem Reservoir in Mehrauli, verfügte über eine gleichzeitige und reichhaltige Offline-Existenz.
Der Legende nach erschien im 13. Jahrhundert der Prophet Mohammed - reitend auf seinem geflügeltem Ross, besser bekannt unter dem Namen Buraq - dem Sultan Shams-ud-din Iltutmish von Delhi in einem Traum. In dem Traum sprudelte Wasser aus der Stelle, die der Huf des Buraqs berührt hatte, und der Prophet trug dem Sultan auf, dort ein Reservoir zu bauen. Der Sultan zögerte natürlich nicht, genau das zu tun.

Der Buraq segelte nicht in die Träume von Vishal, oh nein, nichts auch nur annähernd so Dramatisches passierte. Das Drama wurde aufgespart für den Moment, als es endlich Zeit war für den Buraq, auf dem Wasser zu landen. Für sein Projekt konspirierte Vishal mit dem Mythos und brachte das Fabelwesen in seinen See zurück. Ein Buraq in Überlebensgrösse - Blech, Ersatzteile, Wassersprudel, LED-Beleuchtung usw. - wurde über der Wasseroberfläche des legendären Reservoirs in Mehrauli abgelassen. Sobald es auf dem Wasser schwamm, vollführte es via Stimmerkennung bestimmte Tricks, wie Aufleuchten und Wasserspritzen, die Menschen via Skype oder Telefon auslösen konnten.

Leider dauerte es sehr lange, bis der Buraq ruhig auf dem Wasser schwamm. Die Flügel brachen ab und fielen ins Wasser und die Kamerabatterie fiel aus; Murphys Gesetz sorgte dafür, dass Vishal lange nervös auf seinen Zehenspitzen hin und her tippeln musste, bis alles funktionierte.
In der Zwischenzeit, da der Buraq nicht online gehen und sich sein Publikum suchen konnte, kam das Publikum, um den Buraq offline zu suchen und zu besuchen. In der Zeit, die verging, bis der Buraq endlich ins Wasser springen konnte, unterhielt er mit seinem Unfug spielend die ganze Nachbarschaft. Diese Interaktionen setzten sich auch dann noch fort, als der Buraq endlich einsatzfähig war. Songs wurden geschrieben, Malwettbewerbe abgehalten und Diskussionen geführt. Jung und Alt in der Umgebung des Sees waren von der Aktion entsprechend begeistert.

Coda:
Das Lexikon und die Ideen haben sich weiterentwickelt, aber hauptsächlich in Bezug auf das Internet. Diese virtuellen Spazierwege sind genauso verlockend grosszügig, wie sie erscheinen; aber auch sie sind anfällig für launische Risse. Und auch wenn sie sich noch so viel Mühe geben, stolpern Künstler manchmal über sie, während sie durchs Internet flanieren.

Der grösste Störfaktor in der Allianz von Netz und Kunst ist sicher der mühelose und inhärente Ikonoklasmus des Internets. Weil beide Projekte Netart waren, verabschiedeten sie sich so weit wie möglich vom Objektwahn. Und trotzdem, #cloudrumble56 - mit seinen spannenden Zutaten wie Vorführung hinter geschlossenen Türen und verschwindenden textbasierten Metadaten, wirkt wahrscheinlich genauso aufreizend unabwägbar, wenn nicht sogar noch mehr, als die vorliegende fiktive Handlung, die der Verfasser um die Geschichte von APG gesponnen hat. Dies und das klare Fehlen eines visuellen Leitmotivs machen Abhisheks Projekt besonders ikonoklastisch.
Trotz der zahllosen E-Mails und Aufrufe, die um die ganze Welt gesendet wurden, haben es verschiedene Leute verpasst, Abhisheks kollaborative Onlineperformance auf Twitter mitzuverfolgen, denn das Event fand streng zeitspezifisch genau von 14.00 - 16.00 Uhr am 20. März 2010 statt.
- Oh nein! Ach du meine Güte! Das habe ich total vergessen!
- Ich habe keinen Twitter-Account.
- Ich konnte die Performance online nicht finden.
So lauteten einige der Entschuldigungen derjenigen, die nicht mit dabei waren. Das Projekt betonte nicht nur die heiklen Aspekte von Archivierung und Performance, sondern zeigte auch, wie fragil die Beziehung des Publikums zu allem Nicht-Ikonischen ist.

Hauz-i-Shamsi wiederum hatte den reizenden Buraq als Maskottchen auf seiner Seite. Der Buraq, der fröhlich für alle Besucher etwas bot, war ein riesiger Erfolg. Als sich die Nachricht verbreitete, riefen Bewunderer via Skype und Telefon über mehrere Monate hinweg wiederholt an, und es fehlte nicht viel, dass sie gesungen hätten: I just called to say I love you4.

Zum Schluss eine kurze Beurteilung der zugleich kontroversen und prägnanten Delta-Einheit. Obwohl Scotty und APG bis jetzt nicht ausgewählt wurden, um uns die Möglichkeiten des Ikonoklasmus näher zu bringen, haben ihre Anstrengungen genau das möglich gemacht. Gib dem (T-) Frame noch einige solche Akteure, und die Idee wird  weiter an Boden gewinnen.

 

Mumbai, October 2010

_____________________________________________

Notes:
1. Edward W. Said, ‘Introduction’ by Michael Wood in On Late Style (Bloomsbury,

2006)
2. Claire Bishop, ‘Rate of Return’ (Artforum, October 2010)
3. Oliver Burkeman, ‘Forty years of the internet: how the world changed for ever’

(The Guardian, October 23, 2009)
4. Stevie Wonder ‘I Just Called to Say I Love You’ (Motown, 1984)!!

 
Kommentare zu diesem Beitrag